Zeidlerei im Bibertal

Bienen jetzt im Bibertal zu Hause!

  

Bienen jetzt im Bibertal zu Hause!

Das Bibertal ist seit dieser Woche um eine Attraktion reicher. In die Klotzbeute – also die naturnahe Bienen-Behausung –, die Besucher des Bibertal-Festes 2019 gebaut haben, ist Leben eingezogen. Nur der Startschuss für ein echtes Zeidlerei-Projekt in Rüthen.

Ein Film zu diesem  Thema sehen Sie hier:  https://m.youtube.com/watch?feature=emb_title&v=s01OcALs7EM

Rüthen – Theresa, von den meisten Thea genannt, ist Königin. Sie hat einen blauen Punkt auf dem Rücken, kann fliegen und ist in dieser Woche umgezogen. Und dann gibt es noch Thea, alias Theresa, die ihr größter Fan ist. Sie ist sechs Jahre alt und wohnt in Hemmern – und ist dort ebenso Königin. Kinderschützenkönigin nämlich. Nach dem bienenbegeisterten Mädchen wurde die Bienenkönigin benannt, die in dieser Woche eine Klotzbeute im Bibertal besiedelt hat.

Möglich machten das Sabine Bergmann und Ditmar Kruse. Bergmann betreut seit 2014 ein Zeidlerei-Projekt in Schloss Hamborn und bemüht sich, diese fast ausgestorbene Form der Imkerei wiederzubeleben. Der Kallenhardter Ditmar Kruse, seines Zeichens bereits Imker, will es ihr nun gleich tun: Er wird das Zeidlerei-Projekt im Bibertal federführend übernehmen.

Das beinhaltet drei Klotzbeuten, die ausgehöhlt und in einem Radius von vier Kilometern zwischen Glenne und Möhne in Bäumen aufgehängt werden. Dieser eigentliche Projektstart soll erst in etwa zwei Wochen stattfinden. Als Anschauungsobjekt haben die beiden aber schon jetzt eine Klotzbeute mitten im Bibertal in der Nähe des Tretbeckens besiedelt. Es handelt sich um den Baumstamm, der 2019 während des Bibertal-Festes von Besuchern zur Klotzbeute ausgehöhlt worden ist.

Sabine Bergmann ist begeistert: „So ein Projekt passt wunderbar hier hin.“ Förster Andreas Goebel, der sich das Schauspiel nicht entgehen ließ, ergänzt: „Hier finden die Bienen genug Futter.“ Himbeeren, Weiden, Linden, Birken, Weißdorn oder auch mal Honigtau.

Und auch den Rüthenern und ihren Gästen soll diese Vorzeige-Klotzbeute zugute kommen: In Form von Zeidlerei-Führungen zum Beispiel für Schulklassen.

Die Vorsitzende des Imkervereins aus Belecke hat Ditmar Kruse ein Volk abgetreten, das die Klotzbeute besiedeln sollte. Dabei hatte es das Bienenvolk am Umzugstag nicht leicht: Bei kühlem Wetter sind die Tierchen träge, unkte Sabine Bergmann. Da wird gerne mal im Pulk zusammen gezittert statt brav die Wanderschaft ins warme Nest angetreten. Doch am Ende ließen sich die offenbar abgehärteten Belecker Bienen nicht einmal von Nieselregen aufhalten: Wie ein flirrendes Netz breiteten sie sich über das extra ausgelegte Tuch aus – und spätestens, als Sabine Bergmann die blaubepunktete Königin Thea aus ihrem Käfig befreit und demonstrativ auf den Thron der Klotzbeute gesetzt hatte – sprich, in die Öffnung gelegt – gab es kein Halten mehr. Zu Dutzenden reckten die Bienchen die Hinterteile in die Höhe und flatterten aufgeregt mit den Flügeln vor dem Eingang. Dieses „Sterzeln“ weist den Artgenossen per Duftmarke den Weg zur Königin. Unter den leuchtenden Augen von Bienen-Fan Thea fand der ganze Hofstaat den Weg. Und als Ditmar Kruse am nächsten Tag die Klotzbeute öffnete, um den Neuankömmlingen zur Stärkung leckeres Zuckerwasser zu kredenzen, verkündete er vergnügt: „Se bauen!“ Wo Waben angelegt werden, dürften sich die Bienen wohl fühlen.

Dabei bleibt das Bienenvölkchen unter Königin Thea nicht allein. Direkt daneben liegt nämlich ein Stamm, der auf natürlichem Wege von einem zweiten Volk besiedelt wurde. Entdeckt wurde das erst im März bei seiner Fällung am Kitzelbachweg. Daraufhin zog das Volk samt Stamm-Abschnitt ins Bibertal um. Jüngst geplündert von einem Waschbär, erholt sich die Klotzbeute wieder: Ditmar Kruse hat vorgesorgt und schützt die Waben nun mit einem Drahtgeflecht.

In über zwei Metern Höhe und fest verbarrikadiert dürfte es der Waschbär indes schwer haben, an die köstlichen Machenschaften der Arbeiterinnen von Königin Thea heranzukommen. Und auch die Menschen werden sich nicht am Honig bedienen, verspricht Kruse: Das Volk braucht ihn, um den Winter zu überstehen.

Artikel von Birte Schönhense ( Der Patriot)